Challenging collectivities

Emerging forms of sociality (2010)

Zweite Internationale Graduiertenkonferenz, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 30.9.-2.10.2010

Call for Papers
Diagnosen über die Erosion der Grundlagen von Sozialität haben gegenwärtig Konjunktur und gipfeln in der Annahme einer fundamentalen Krise gesellschaftlicher Institutionen. Indizien hierfür scheinen Phänomene wie die zunehmende Individualisierung, Ökonomisierung und Naturalisierung von Leben und Lebensformen, die Fragmentierung von Staatlichkeit, die Verbreitung von Cyber- und Reproduktionstechnologien, der Zerfall der heterosexuellen Kleinfamilie, das Verwischen traditioneller Geschlechterrollen und die Infragestellung des kulturellen Selbstverständnisses infolge von Migration zu sein. Doch gerade in der Überwindung der eurozentristischen, patriarchalen und heteronormativen, bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnungen und Epistemologien kristallisieren sich auch neue Formen von Subjektivität, Gemeinschaft und Gesellschaft heraus. Um diese aufkommenden Formen von Sozialität sicht- und vernehmbar zu machen, bedarf es jedoch neuer Paradigmen kritischer Gesellschaftstheorie. Im Rahmen der Graduiertenkonferenz „Emerging Forms of Sociality“ soll das Verständnis dessen, was Sozialität ist, war und sein könnte, aus unterschiedlichsten disziplinären Zugängen und kritischen Perspektiven beleuchtet werden. In der Analyse und Rekonstruktion neuer sozialer Formen liegen nicht nur Möglichkeiten der Aktualisierung der Grundbegriffe kritischer Theorie – sie eröffnen auch neue Wege emanzipatorischer Praxis und ein alternatives Verständnis von Gerechtigkeit und Solidarität unter Berücksichtigung der Achsen der Differenz und Ungleichheit.

Eingereicht werden können Abstracts für Vorträge zu folgenden Themen:
__Was ist Sozialität? Sozialontologie oder historische Ontologie des Sozialen, Gesellschaft und Gemeinschaft, Gleichheit und Differenz
__Lebensformen und/oder Formen des Lebens: Wie lassen sich Lebensformen, soziale Kontexte, kulturelle Milieus, politische Assoziationen evaluieren und kritisieren, kreieren und initiieren, repräsentieren oder transformieren? Sokratische Mäeutik, Aristotelische Tugend, Spinozistische Affekte, Hume’sche Sentimente, Foucault’sche Ästhetik der Existenz
__Dabei – daneben – dagegen: Szenen, Milieus, Subkulturen, Religion, Queer, Polyamorie, Feminismen, Fundamentalismen, Autonomie der Migration, Diaspora, Hybridität, neue soziale Bewegungen, Dandys und Bohemiens, Dadaist_innen und Situationist_innen, Punks und Hippies
__Theorien des Lebens, Natur und der Technik: nacktes Leben, Mensch-Tier, Naturalisierung des Sozialen und Sozialisierung der Natur, Cyborgs/Virtualität/Simulation, Ansteckung, Biokapitalismus, globale Epidemien, Ökologie
__Perspektiven und Diagnosen: Netzwerkgesellschaft, Kontrollgesellschaft, Risikogesellschaft, Tod des Sozialen, Imagined Communities, Social Imaginaries, Akteurs-Netzwerk-Theorie, Assemblage Theory, Anerkennungstheorie
__Akklamation, Reklamation und Akkumulation des Kapitals: Neoliberalismus nach der Finanzkrise, Prekarisierung, Feminisierung der Arbeit, Weltmarkt, immaterielle und affektive Arbeit, Sexarbeit, projektbasierte Polis, New Commons, real entstehende Sozialismen
__Beziehungsweisen: (Wahl-)Verwandtschaften, Freundschaft, Narzissmus, Selbstkultur, affektive Verbindungen, Intimität, Privatheit, Sex-Liebe-Geschlecht, Vertrag-Gabe-Tausch, Beziehungsarbeit, Fürsorge, Körper, Psyche, Gefühle, Emotionen, Begehrensökonomie, Krise der Männlichkeit, Web 2.0
__Transformation des Politischen: Fragmentierung staatlicher Souveränität, Biopolitik, Ausnahmezustand, Lager, Ende des Nationalstaats, transnationale Akteure, transnationale Verrechtlichung, transnationale Öffentlichkeiten, Rechtspluralismus, Kosmopolitismus jenseits von weißer, bürgerlicher, männlicher Hegemonie
__Des/Orientierung: Zeiten und Räume der Sozialität: Genealogien, Gespenster der Vergangenheit und Generationen der Zukunft, post-imperialistische Geographien, Stadt/Land, Nord/Süd, Postkolonie, Transversalität, Globalität, Sozialraum und Verräumlichung des Sozialen

Technics
Der Call for Papers richtet sich an fortgeschrittene Studierende, Doktorand_innen und Postdoktorand_innen. Wir laden ausdrücklich auch ein zur Einsendung von work-in-progress, exposéhaften Präsentationen oder in Kooperation entstandenen Arbeiten.
Abstracts sollten die Länge von 300 Wörtern nicht überschreiten. Einsendeschluss für die Einreichung von Vorschlägen ist der 15.04.2010. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis spätestens zum 31.05.2010.
Für Teilnehmerinnengruppen, die nicht aus Westeuropa oder Nordamerika kommen, besteht die Möglichkeit eine Reisekostenerstattung zu beantragen. Die Vorträge werden in einem blind review-Verfahren ausgewählt. Bei der endgültigen Auswahl wird darauf geachtet, dass mindestens 50 % der Vorträge an Frauen vergeben werden. Bitte die Abstracts ohne Name oder sonstige Hinweise auf die/den Autor_in einsenden, sowie im Anschreiben Titel des eingereichten Vorschlags nennen. Konferenzsprachen sind deutsch und englisch, Abstracts können in beiden Sprachen verfasst werden. Vorträge sollten eine Länge von 20 Minuten nicht überschreiten.

Keynote
Keynote-Speaker der Konferenz sind Rahel Jaeggi (Humboldt-Universität Berlin), Sasha Roseneil (Birkbeck College London) und Nelson Maldonado-Torres (University of California, Berkeley).

Kontakt
Abstracts und Nachfragen bitte unter info@graduateconferencefrankfurt.de. Nähere Informationen unter www.graduateconferencefrankfurt.de