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Telefonkonferenzen überall. Apparate und Medien schicken Stimmen hin und her, Sprache überkreuzt sich, Wörter bleiben stecken, die Leitungen verwirren sich ineinander, selten gibt es Konsens, Kontext schon gar nicht, bis der lauteste Ton alles beendet. Danach – Rauschen.

Topografisch bewegt sich das Nachdenken über Uneasy Encounters in Bereichen, in denen das Sprechen seinen Ort und seine Disziplin verlassen hat. Sein Status ist unklar: Was ist lebendig, was schon (un)tot? Brauchen wir Übersetzungshilfe oder Wiederbelebung? Das Lebendige, das Leben und Lebensbegriffe lassen sich schwer transportieren. Methoden und Modelle des wissenschaftlichen Arbeitens bieten Regeln an, dennoch begleiten Unsicherheiten und Unklarheiten das Leben im Forschungsbetrieb. Im Versuch, akademische Transplantationen vorzunehmen, entstehen jedoch auch Wesen, die als Werkzeuge hilfreich werden – und das nicht nur als Metapher.  Vampire, Zombies und Untote aller Art kennen sich in Zwischenbereichen sehr gut aus. Lassen wir uns also an die Hand nehmen.

Immer wenn wir sprechen, müssen wir uns fragen: Für wen ist was auf welche Art und Weise schon da? Und ist das aktuell, bedeutsam, lebendig? Was wird durch wissenschaftliche und künstlerische Praxis erst hervorgebracht, was tragen Disziplinen und ihre Topografien zu den Sprech-, Schreib- und Forschungsmodi bei? Solche Fragen gelten besonders für Orte der Lehre wie die Universität. Die Zusammenhänge, in denen diese dort verhandelt werden, sind meist so weit geordnet, dass Kommunikation ganz gut funktioniert. Wozu also fragen? Gleichzeitig versagt dieser Anspruch und der eigene Perspektivwechsel gelingt kaum. Wenn Inter- oder Transdisziplinarität versucht wird, merkt man schnell, dass Wissenschaftssprache nicht beliebig arrangiert werden kann, um ein gemeinsames Sprechen zu ermöglichen. Offenbar bedarf es einer gewissen disziplinären Rückversicherung, um das eigene Sprechen
am Leben zu halten.

Im Sinne kritischer Theorien sollen auf der Konferenz Zugriffe auf das Leben an ihren eigenen Ansprüchen gemessen und diskutiert werden, ohne dabei zugleich dem Gegenstand seine Rolle in diesen Prozessen abzusprechen. Das Zerfallen des Sprechens entlang der Zuschnitte wissenschaftlicher Institutionen und die disparaten Vokabulare verstehen wir als problematische Spezialisierung und damit als Ergebnis gesellschaftspolitischer Prozesse. Davon ausgehend fragen wir, wie die Konfigurationen des Schismas zwischen Lebendigem und Nicht-Lebendigem sowie die Zuständigkeiten im Sprechen entstanden sind, gedacht werden können und politisiert werden sollten.

So könnte es zunächst darum gehen, über die Art und Weise nachzudenken, wie wir sprechen. Wer oder was kommuniziert hier eigentlich mit wem – oder nicht? Und wie genau sieht das aus? Wir wollen herausfinden, wer wen oder was diszipliniert und auf welche Weise. Was machen wir mit dem unkontrollierbaren Überschuss? Es stellt sich folglich die Frage des Regierens. Zugriffe auf das Leben sind nicht auf den Wissenschaftsbetrieb beschränkt, sondern charakterisieren eine ganze Politik der Unverfügbarkeit und Unübersetzbarkeit. Welche Machtgefälle und Herrschaftsdynamiken in und außerhalb der Universität wirken hier? Ist die Unterscheidung zwischen Theoretisieren und Praktizieren mittlerweile eine (un)tote? Wie wurde dadurch die Arbeit im Wissenschaftsbetrieb beeinflusst?

Was am Ende dabei herauskommt, darüber können wir nur spekulieren. Die Konferenz möchte ein Experiment initiieren, Zwischenräume und Reste untersuchen, ja, dedisziplinieren. Ungemütliches könnte in diesen Uneasy Encounters zur Sprache kommen, aber auch Raum für emanzipatorische Projekte schaffen. Sprechen, disziplinieren, regieren, theoretisieren und praktizieren, vampirisieren: Wenn wir nicht aufpassen, springen die Funken über und der Apparat brennt. Doch statt Grabpflege zu betreiben, wecken wir die Geister. Aber keine Angst. Who you gonna call?

Der Call richtet sich an Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen. Works-in-progress und künstlerische Projekte sind willkommen. Abstracts können auf Deutsch und Englisch eingereicht werden. Die Abstracts sollen einen Umfang von 300–500 Wörtern haben und sind bis zum 1. Mai 2018 zusammen mit einer kurzen Notiz zur Person einzureichen. Die Vortragenden werden Anfang Juni 2018 benachrichtigt. Für die Vorträge sind maximal 30 Minuten vorgesehen. Wir bitten die Vortragenden bis zum 10. Oktober 2018 ein Outline von ein bis zwei Seiten einzureichen.

Bei Bedarf wird versucht, einen Zuschuss zu Reise- und Unterkunftskosten vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) für die ausländischen Teilnehmenden zu beantragen. Diesen bitte direkt in der Mail angeben.

 

Call for Papers

Telephone conferences everywhere. Devices and media send voices back and forth, languages intersect, words get stuck, wires become entangled in each other, there is rarely consensus, not to mention context, until the loudest sound ends it all. Afterwards – random noise.

Topographically, thinking about Uneasy Encounters moves into domains where speaking has left its site and discipline. Its status is unclear: What is alive and what is already (un)dead? Are we lost in translation or do we need reanimation? The living, life and concepts of life are difficult to grasp. Methods and models of scientific work offer rules, nevertheless insecurities and ambiguities accompany life in research. By trying to perform academic transplantations, creatures emerge that are helpful, not just as metaphors. Vampires, zombies and the undead are very well versed in those intermediate areas. So let us be taken by the hand.

If we then speak, we have to ask ourselves: for whom is what and in what manner already present – and is it current, meaningful, alive? What do scientific and artistic practices bring forth in the first place, what do the disciplines and their topographies contribute to modes of speaking, writing and research? These questions are particularly relevant for places of teaching such as the university. The interconnections in which they are negotiated are usually arranged to an extent that communication works quite well. So why ask? At the same time, this claim fails and changing one’s perspective is rarely successful. When inter- or transdisciplinarity is attempted, it quickly becomes apparent that scientific language cannot be arranged randomly to ensure joint speaking. Obviously, a certain amount of disciplinary reassurance is needed to keep one’s own speaking alive.

In terms of critical theories, access to life is to be measured and discussed according to its own demands, without denying the subject matter’s role in these processes. We understand the disintegration of speech along the lines of scientific institutions and the disparate vocabularies as problematic specialization and therefore as a result of socio-political processes. On this basis, we ask how configurations of the schism between the living and the non-living, as well as the responsibilities in speaking about them, have arisen, how they can be thought of and how they should be politicized.

As a start, one could think about the way we perform our speaking. Who or what communicates with whom – or not? And how exactly does that look like? We want to find out who disciplines whom or what, and in what way? What do we do with the uncontrollable surplus? This brings us to the question of force and governance. Access to life is not limited to the scientific world but characterizes a far-reaching politics of unavailability and untranslatability. What differences and dynamics of power within and outside the university are at work? Is the distinction between theorizing and practicing an (un)dead one by now? How was work in research influenced by that distinction so far?

We can only speculate on what the results will be. The conference wants to initiate an experiment, explore gaps and residues, indeed, to de-discipline. Uncomfortable things could emerge in these Uneasy Encounters. At the same time, such a project could create room for emancipatory projects. Speaking, disciplining, power, theorizing and practicing, vampirizing: If we’re not careful, the sparks will fly and the apparatus burns. But instead of maintaining the graves, we awaken the ghosts. But don’t be afraid. Who you gonna call?

The call is aimed at students and early career scientists. Works-in-progress and artistic projects are welcome. Abstracts can be submitted in German or English. The abstracts are to be 300–500 words in length and must be submitted by 1st May 2018, together with a short note on the submitter. The speakers will be notified by the beginning of June. The presentations will last a maximum of 30 minutes. We ask speakers to provide an outline of one or two pages by 10th October 2018.

If necessary, we will try to apply for a subsidy for travel and accommodation costs from the German Academic Exchange Service (DAAD) for participants who need to travel. Please indicate directly in your mail.

 

Abstracts and inquiries:

info@graduateconferencefrankfurt.de